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»Es ist normal,
verschieden zu sein«
(Richard von Weizäcker)


Gelebte Inklusion bei den Schlagga-Wäschern im Dreißental

Die Narrenzunft Oberkochener Schlagga-Wäscher feiern mit der 33. Prunksitzung für Menschen mit Behinderung Jubiläum. Eine Veranstaltung mit Gardemaß und Laura Bialon erfüllt sich als Funkenmariechen einen Lebenstraum


Der Rollstuhltanz des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg. Fotos: ls

Oberkochen. „Seit 33 Jahren sind wir eine Hochburg der Fasnacht und Menschen mit Behinderung gehören zu uns“, sagt NZO-Ehrenpräsident Klaus Ziemons nach dem Einmarsch der Aktiven zu den Klängen der Sitzungskapelle „Sensor.“ Präsidentin Nina Stadler kann viel Prominenz zum närrischen Jubiläum willkommen heißen. Josef Mischko zieht mit seiner Verkleidung die Blicke auf sich. Über dreißig Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt unter Leitung von Gerda Böttger und auch aus anderen sozialen Einrichtungen sorgen fürs Wohl der Gäste.


Tanzmariechen Laura Bialon (li.) und Laurena Keydell.

„Noch nie in der Geschichte waren so viele Besucher da“, freut sich Behindertenkoordinatorin Petra Pachner, die alle Jahre wieder erfolgreich als Strippenzieherin zwischen Landratsamt und Narrenzunft fungiert. Inklusion wird gelebt in der „Dreißental-Narhalla“.

Den ersten Mosaikstein setzt die Rollstuhl-Tanzgruppe des Körperbehindertenvereins Ostwürttemberg unter Leitung von Sylvia Scheerer. Mittendrin Landrat Klaus Pavel, der den Rollstuhl von Webmaster Andy Neuhäuser zu Melodien aus „Mary Poppins“ über die Bühne lenkt. „Ein Tag, den ich nicht vergessen werde“, sagt Andy hinterher.

Die erste dreistufige Applaus-Rakete ist fällig. Auch Sitzungspräsident Rainer Stadler ist hingerissen von der Stimmung. Der Narrensamen der Zwergelesgarde entführt in die Welt von Pippi Langstrumpf. An den Tischen herrscht vibrierend-fröhliche Ausgelassenheit.

„Nicht Köln und nicht Mainz, nein Oberkochen ist heute angesagt, als Hochburg einfach wunderbar“, betont Landrat Klaus Pavel in seiner närrischen Ansprache als Schirmherr und er attestiert den Schlaggawäschern und dem Publikum ein „doppeltes Extra-Klasse.“


Landrat Klaus Pavel bei seiner Begrüßung

Dann wird es emotional. Tanzmariechen Laurena Keydell hat auf der Bühne Laura Bialon zur Seite. Wunderschön, mit Anmut und Hingabe setzt sich die junge Dame mit Down-Syndrom, die sich mit diesem Auftritt einen Lebenstraum erfüllt hat, mit einfühlsamer Unterstützung von Laurena Keydell in Szene. Der Beifall will kein Ende nehmen.

Die „Crazy Kids“ nehmen die Besucher mit auf eine fetzig-faszinierende Reise um die Welt, die „Diamond Dancers“ frönen „Frozen“, der Eiskönigin und der „Singende Elferrat“ steckt seine Finger in all jene lokalen Wunden, die im vergangenen Jahr zu „beklagen waren.“ Mit „Dance Nation“ wird gerockt. Jugendgarde und Blaue Flitzer geben einen Vorgeschmack für die erste Prunksitzung am 23. Februar. Eine faszinierende Choreografie hat die „Blue Women group“ unter dem Motto „Männer – unsere Ehemänner“ auf Lager. Natürlich gibt es auch Orden zuhauf und die erhalten sicherlich zu Hause in den vielen Behinderteneinrichtungen einen Ehrenplatz.

Lothar Schell, Schwäbische Post